Kurzarbeit verhindert Entlassungswelle
Pandemie prägt Schweizer Arbeitsmarkt im Jahr 2020

Der Schwei­zer Arbeits­markt stand 2020 ganz im Zeichen der Corona­vi­rus-Pande­mie. Dieser hat sich nicht zuletzt dank massi­vem Einsatz von Kurzar­beits­ent­schä­di­gun­gen als relativ robust erwie­sen. Das Instru­ment soll auch durch die “zweite Welle” helfen.

Über 160’000 Menschen sind auf der Suche nach Arbeit

Ende Dezem­ber 2020 waren bei den Regio­na­len Arbeits­ver­mitt­lungs­zen­tren (RAV) 163’545 Perso­nen einge­schrie­ben. Das sind rund 40 Prozent mehr als im Jahr davor. Die Arbeits­lo­sen­quo­te stieg Ende Jahr auf 3,5 Prozent. Im Dezem­ber 2019 — also in der Vor-Corona-Zeit — hatte sie noch bei sehr tiefen 2,5 Prozent gelegen.

Die Folgen der Corona-Krise für den Schwei­zer Arbeits­markt lassen sich auch anhand der durch­schnitt­li­chen Arbeits­lo­sig­keit ablesen. Die Arbeits­lo­sen­quo­te lag 2020 im Durch­schnitt bei 3,1 Prozent nach 2,3 Prozent im Jahr zuvor. Ein so hoher Wert wurde letzt­mals im Jahr 2017 registriert.

Kurzarbeit federt ab

Die schlimms­ten Befürch­tun­gen sind jedoch nicht einge­tre­ten. Die Corona-Pande­mie hat in der Schweiz (noch?) keine Entlas­sungs­wel­le ausge­löst. Zu verdan­ken ist dies dem massi­ven Einsatz von Kurzarbeitsentschädigungen.

Auf dem Höhepunkt der Krise während des «Lockdowns» im Frühjahr steck­ten in der Schweiz mehr als 1,3 Millio­nen Perso­nen in Kurzar­beit — also jeder vierte Erwerbs­tä­ti­ge. Die Kurzar­beit hat insbe­son­de­re gehol­fen, den Arbeits­markt zu stabilisieren.

Auch Entlas­sun­gen im grossen Stil sind bisher ausge­blie­ben. Die Zahl der Beschäf­tig­ten sank denn bis Jahres­en­de auch nur um rund 0,6 Prozent­punk­te und damit deutlich weniger stark als die am BIP gemes­se­ne Wirtschaftsleistung.

9,2 Milliarden Kurzarbeitsentschädigungen

Dafür haben die Schwei­zer Behör­den viel Geld in die Hand genom­men. Die Kurzar­beits­ent­schä­di­gun­gen summier­ten sich bis Ende 2020 auf 9,2 Milli­ar­den Franken. In der Spitze kamen im Mai teilwei­se mehr als 100 Millio­nen Franken pro Tag zur Auszahlung.

Der Löwen­an­teil ging mit 1,9 Milli­ar­den Franken an das Verar­bei­ten­de Gewerbe. Auf Hotels und Restau­rants entfie­len 1,4 Milli­ar­den, den Handel 1,3 Milli­ar­den, “Verkehr und Lagerei” 0,7 Milli­ar­den und auf das Bauge­wer­be 0,5 Milli­ar­den Franken. Dennoch: Im Gastge­wer­be (9,3%) und auf dem Bau (6,8%) etwa sind die Arbeits­lo­sen­quo­ten hochgeschnellt.

Weiterhin wird auf Kurzarbeit gesetzt

Entwar­nung kann ohnehin noch nicht gegeben werden. Denn in den Winter­mo­na­ten dürfte die Kurzar­beit vor allem auf Grund der “zweiten Welle” der Covid-19 Pande­mie und damit verbun­de­nen Massnah­men nochmals deutlich ansteigen.

Gemäss Seco waren im Novem­ber wieder mehr als 645’000 Arbeit­neh­men­de für Kurzar­beit voran­ge­mel­det, fast drei Mal mehr als noch im Oktober. Gleich­zei­tig dürfte die Arbeits­lo­sen­quo­te Anfang 2021 auf 3,8 Prozent steigen.

Das Seco ist aber zuver­sicht­lich, dass auch die zweite Phase an Massnah­men zur Eindäm­mung der Pande­mie mit dem Instru­ment Kurzar­beit abgefe­dert werden kann.