Rund 15 Prozent mehr Tote im Jahr 2020 gegenüber den fünf Vorjahren 16.03.2021
Wöchentliche Todesfälle Schweiz und Virenwellen 2015 – 2021

Im Jahr 2020 lag in der Schweiz eine deutlich erhöhte Sterb­lich­keit vor. Die verzeich­ne­ten Todes­fäl­le 2020 sind bis Ende Jahr mit rund 76’900 um rund 15% höher (ca. +9’900 Menschen) als im Durch­schnitt der letzten 5 Jahre mit rund 67’000 Toten.

Rund 15 Prozent mehr Tote im Jahr 2020 gegenüber den fünf Vorjahren in der Schweiz

Im Jahr 2020 starben in der Schweiz knapp 10’000 Menschen mehr als in den voran­ge­gan­ge­nen fünf Jahren. Dies entspricht einer Steige­rung von ca. 15 Prozent. Die Anzahl der der an oder mit dem Corona-Virus verstor­be­nen Menschen liegt bis Ende 2020 bei rund 8’000. Ein direk­ter Zusam­men­hang zwischen der erhöh­ten Sterb­lich­keit und dem Corona-Virus kann deshalb kaum mehr in Abrede gestellt werden.

Doch welche Alters­grup­pen sind denn von dieser erhöh­ten Sterb­lich­keit im Jahr 2020 statis­tisch am stärks­ten betroffen?

Bedeutend mehr Tote bei den Alten und Vorerkrankten im Jahr 2020

Im Jahr 2020 sind es rund 1’800 Menschen, die bei der ersten Welle und rund 6’200 Menschen, die bei der zweiten Welle aufgrund einer Covid-19 Erkran­kung verstar­ben. Mehr als 80% der von dieser erhöh­ten Sterb­lich­keit Betrof­fe­nen sind über 80 Jahre alt. Dabei beträgt der Anteil der Vorer­krank­ten gemäss Angaben des BAG wie bei der ersten Welle mehr als 95%.

Erhöhte Sterblichkeit 2020 bei den älteren Altersgruppen

  • Erhöhte Sterb­lich­keit bei den über 80-Jähri­gen: rund 19% mehr im Vergleich zu den fünf Vorjah­ren (ca. 49’300 gegen­über rund 41’400 im Schnitt der fünf Vorjahre).
  • Erhöhte Sterb­lich­keit bei den 65 bis 79-Jähri­gen: rund 13% mehr im Vergleich zu den fünf Vorjah­ren (ca. 18’900 gegen­über rund 16’800 im Schnitt der fünf Vorjahre).

Durchschnittliche Sterblichkeit 2020 bei den restlichen Altersgruppen

  • Alle Alters­grup­pen unter 65 Jahren weisen eine normale durch­schnitt­li­che Sterb­lich­keit aus im Vergleich zu den fünf Vorjah­ren, und gehören NICHT zu den gefähr­de­ten Alters­grup­pen durch die Covid-19 Krankheit.

Zweite Corona-Welle: Hohe Sterblichkeit bei den über 65-Jährigen

In der Statis­tik der wöchent­li­chen Todes­fäl­le Schweiz (PDF) ist die zweite Corona-Welle seit der zweiten Oktober­hälf­te (Kalen­der­wo­che 43) durch die erhöhte Anzahl der Todes­fäl­le gegen­über dem Mittel­wert der Vorjah­re klar erkenn­bar. Dieser Mittel­wert liegt im Oktober in der Schweiz bei wöchent­lich rund 1’250 Menschen, im Novem­ber bei 1’300 und im Dezem­ber bei 1’350 Menschen. Beson­ders hoch ist die wöchent­li­che Übersterb­lich­keit in den letzten drei Monaten des Jahres bei der ältes­ten Bevöl­ke­rungs­grup­pe.

Übersterblichkeit in den letzten 10 Wochen des Jahres 2020 (Teilwoche 53 nicht eingerechnet)

  • Übersterb­lich­keit bei den über 80-Jähri­gen: gegen 70% (!) mehr im Vergleich zu den Vorjah­ren (wöchent­lich ca. 1’350 gegen­über knapp 800 im Schnitt der Vorjahre).
  • Übersterb­lich­keit bei den 65 bis 79-Jähri­gen: gegen 46% (!) mehr im Vergleich zu den Vorjah­ren (wöchent­lich ca. 480 gegen­über 330 im Schnitt der Vorjahre).
  • Alle Alters­grup­pen unter 65 Jahren weisen KEINE Übersterb­lich­keit aus im Vergleich zu den Vorjah­ren, und gehören NICHT zu den gefähr­de­ten Alters­grup­pen durch die Covid-19 Krankheit.

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Jährlich sterben in der Schweiz gegen 70’000 Menschen

Wir verlas­sen an dieser Stelle das Thema «Corona-Virus» und beschäf­ti­gen uns nachfol­gend mit den anderen wesent­lich häufi­ge­ren Todes­ur­sa­chen, die auch im Jahr 2020 rund 90% aller Todes­fäl­le in der Schweiz ausmachen.

Hast du gewusst, dass in der Schweiz jährlich im Schnitt gegen 70’000 Mitmen­schen sterben? Das entspricht rund 0.8% der Gesamt-Bevöl­ke­rung von aktuell knapp 8.6 Millio­nen. Wöchent­lich sind das also gegen 1’400 Menschen, täglich somit gegen 200 Menschen, die von uns gehen. Rund 60% der Sterben­den sind über 80-jährig (jährlich ca. 42’000). Jede Woche sterben somit rund 800 über 80-jährige Menschen in der Schweiz. Männer werden dabei durch­schnitt­lich 82 Jahre alt, Frauen haben sogar eine Lebens­er­war­tung von fast 86 Jahren.

An welchen Krankheiten sterben die Menschen?

Eine Antwort auf die Todes­ur­sa­chen der Menschen in der Schweiz gibt uns das Bundes­amt für Statis­tik. Leider sind per Ende Juli 2020 auf der Websei­te des Bundes­am­tes seit 2018 keine aktuel­len Zahlen mehr in Erfah­rung zu bringen. Die aktuells­ten offizi­el­len Zahlen zu den Todes­ur­sa­chen stammen deshalb aus dem Jahr 2017 (…). Diese geben trotz­dem einen ungefäh­ren Einblick darüber, wie gross die Chance ist, in einem bestimm­ten Alters­ab­schnitt an einer bestimm­ten Krank­heit zu sterben.

Gewalteinwirkung bei unter 45-Jährigen

Die Chance, in der Schweiz das 45. Lebens­jahr zu errei­chen liegt bei über 95 Prozent. Inter­es­sant ist auch, dass Menschen bis 45 Jahre in über 40% der Fälle nicht an einer Krank­heit, sondern an Unfäl­len oder Gewalt­ein­wir­kun­gen sterben. Wer also einiger­mas­sen auf sich aufpasst, hat beste Chancen, die erste Lebens­hälf­te schad­los zu überstehen.

Erhöhtes Krebsrisiko zwischen 45 und 64 Jahren

Inter­es­sant ist die Erkennt­nis, dass das grösste Todes­ri­si­ko für Menschen zwischen 45 und 64 Jahren das Krebs­lei­den ist. Jedes Jahr erhal­ten fast 5% der Schwei­zer die Diagno­se Krebs. Durch die Fortschrit­te der letzten Jahre in der Krebs­the­ra­pie ist Krebs jedoch kein defini­ti­ves Todes­ur­teil mehr. Über 70% der Krebs­kran­ken können inzwi­schen geheilt werden. Trotz­dem wird bei über 40% der Menschen, die in der Alters­grup­pe zwischen 45 und 64 Jahren in der Schweiz sterben, als Todes­ur­sa­che ein bösar­ti­ger Tumor angegeben.

Menschen ab 65 sterben mehrheitlich an Krebs oder Herzversagen

Von 65 bis 84 Jahren kommt dann nebst dem Tumor­ri­si­ko mit noch immer über 35% als neue Haupt­ur­sa­che für den Eintritt des Todes der Zusam­men­bruch des Kreis­lauf­sys­tems hinzu, sprich: Herzver­sa­gen bei über 25% der verzeich­ne­ten Todes­fäl­le. Über 7% der 65 bis 84-jähri­gen sterben an Lungen­krank­hei­ten. Inter­es­sant hier ist die Tatsa­che, dass die Grippe zwar ebenfalls in dieser Katego­rie integriert ist, jedoch bislang nicht als statis­tisch relevan­te Todes­ur­sa­che aufge­führt war.

Herzversagen ist bei Menschen ab 85 Jahren die häufigste Todesursache

Und wie sieht es denn bei den ganz alten Menschen ab 85 Jahren aus? Hier sterben in fast 40% aller Fälle die Menschen an Herzver­sa­gen. Nicht ganz überra­schend ist der Anteil bösar­ti­ger Tumore mit “nur” noch knapp 20% in dieser Alters­ka­te­go­rie. Dies ist erklär­bar durch die verlang­sam­te Zelltei­lung im Alter. Dadurch wird auch das Wachs­tum von bösar­ti­gen Tumor­zel­len verlang­samt. Immer mehr ganz alte Menschen sterben dafür inzwi­schen an Demenz: bereits über 12% der ältes­ten Menschen sterben am Ausfall der Hirnfunktionen.

Was hat es mit den saisonalen Schwankungen der Sterbezahlen auf sich?

Die obenste­hen­den Zahlen sind ledig­lich Durch­schnitts­wer­te, die keine Aussage über die grossen Schwan­kun­gen, die über das Jahr hinweg auftre­ten, machen können. Tatsäch­lich sterben nämlich im Sommer­halb­jahr (von April bis Septem­ber) wöchent­lich ledig­lich rund 700 über 80-jährige Menschen. Zwischen Januar und März hinge­gen sterben teilwei­se wöchent­lich bis zu 1’300 über 80-jährige Menschen. Wie sind diese Abwei­chun­gen von über 50% erklärbar?

Kaum saisonale Schwankungen der Todeszahlen bei den 0 bis 64-jährigen

Zuerst einmal ist es wichtig, zu wissen, dass es diese enormen saiso­na­len Abwei­chun­gen von bis zu 50% zusätz­li­chen Toten bei den Alters­klas­sen von 0 bis 64 Jahren kaum gibt. So verteilt sich also die Anzahl der Toten in dieser Alters­klas­se über das ganze Jahr hinweg in etwa gleichmässig.

Bereits bis zu 25% Schwankungen der Todeszahlen bei den 65 bis 79-jährigen

Auf unserem Diagramm mit den wöchent­li­chen Todes­fäl­len Schweiz (2015 bis 2020) sieht man sofort, dass bei der Alters­grup­pe der über 65-jähri­gen die Sterbe­ra­te im Winter­halb­jahr zwischen Oktober und März höher ist als im Sommer­halb­jahr. Je grösser die Abwei­chung nach oben ist, desto stärker sind sie rot einge­färbt. Je weniger Tote gegen­über dem Schnitt zu verzeich­nen sind, desto stärker sind die betref­fen­den Wochen grün eingefärbt.

Über 50% mehr Tote im Winterhalbjahr bei den über 80-jährigen

Richtig extrem werden die Schwan­kun­gen jedoch bei den über 80-jähri­gen Schwei­zern. Hier erkennt man durch die roten “Bänder”, die sich gleich­mäs­sig über die letzten 5 Jahre hinweg­zie­hen, dass die Ältes­ten unter uns mehrheit­lich zwischen Dezem­ber und April sterben. Wie wir nun ja wissen, ist die häufigs­te Todes­ur­sa­che inner­halb dieser Alters­ka­te­go­rie mit fast 40% der Fälle Herzver­sa­gen. Doch wie ist es erklär­bar, dass die Herzpum­pe ausge­rech­net zwischen Januar und März den Dienst quittiert? Die Kälte der Winter­mo­na­te als primä­ren Grund ins Feld zu führen wird doch in der heuti­gen Zeit mit gut isolier­ten Häusern und alten Menschen, die gut behütet in Pflege­hei­men aufge­ho­ben sind, eher schwie­rig. Es muss also einen anderen Grund für die Sterbe­wel­le in den ersten drei bis vier Monaten des Jahres geben.

Welcher Einfluss hat die Grippe bei Menschen mit Vorerkrankungen?

In den Zahlen des Bundes­amts für Statis­tik wird aufge­führt, dass 7% der 65 bis 84-jähri­gen an Lungen­krank­hei­ten sterben. Auch bei den über 85-Jähri­gen sind es weniger als 10%, die an dieser Todes­ur­sa­che sterben. Wie bereits vorgän­gig erwähnt, wird das Grippe­vi­rus als Unter­ka­te­go­rie der Lungen­krank­hei­ten geführt. Schaut man sich nun jedoch z.B. für das Jahr 2015 die effek­tiv an Grippe gestor­be­nen Perso­nen an, dann kommt man gemäss dem Bundes­amt für Statis­tik auf gesamt­haft 244 ausge­wie­se­ne Grippetote.

Grippetote sind offenbar nicht Grippetote – oder doch?

Doch nun wird’s richtig spannend: dassel­be Bundes­amt für Statis­tik schrieb in einer offizi­el­len Medien­mit­tei­lung von 2015, dass es in ebendie­sem Jahr “ausser­or­dent­lich viele Todes­fäl­le infolge Hitze und Grippe” gab. Konkret starben gemäss Mittei­lung im Jahr 2015 rund 2’500 Menschen in der Schweiz an der Grippe (3.6%) und zusätz­lich 500 an der starken Hitze im Sommer (0.7%). Diese Aussa­gen können auf unserer Tabelle nachvoll­zo­gen werden. Sie sind durch starke Rotbe­rei­che farblich klar erkennbar.

Es ist jedoch absolut nicht nachvoll­zieh­bar, warum die Zahl der Grippe­to­ten beim Bundes­amt für Statis­tik nicht einheit­lich ausge­wie­sen wird. Gemäss der Auswer­tung «Sterbe­fäl­le und Sterbe­zif­fern wichti­ger Todes­ur­sa­chen nach Alter» werden nämlich ledig­lich 244 Grippe­to­te ausge­wie­sen. Gemäss Medien­mit­tei­lung dessel­ben Bundes­am­tes liegt diese Zahl mit 2’500 Grippe­to­ten jedoch um über 10 x höher. Dieser gewal­ti­ge Unter­schied ist leider nicht mehr mit einer Rundungs­dif­fe­renz zu erklären…

Sprachregelung im Zusammenhang mit dem Corona-Virus

Wir betrach­ten die Auswer­tung und die Kommu­ni­ka­ti­on der Todes­zah­len auch im Zusam­men­hang mit dem aktuel­len Corona-Virus sehr kritisch. Zu Beginn wurde hier stets geschrie­ben, dass die Menschen “am Covid-19-Virus verstor­ben” sind. Im Verlauf des Monats Mai 2020 wurde diese Sprach­re­ge­lung dann praktisch über Nacht gewan­delt in “gestor­ben im Zusam­men­hang mit dem Covid-19 Virus” und ab Juni liest man vermehrt “die positiv auf Covid-19 getes­tet wurden”.

Korrekte Zuordnung der Todesfälle gefordert

Seit Beginn der Corona-Diskus­si­on erfah­ren wir tagtäg­lich die Gesamt­zahl der “im Zusam­men­hang mit der Covid-19 Erkran­kung” verstor­be­nen Menschen. Es ist zu hoffen, dass — sofern diese Zahl tatsäch­lich verläss­lich ist — sie dann auch wirklich in der Tabelle der Sterbe­fäl­le des Bundes­amts für Statis­tik als «Tote durch Virus­er­kran­kung» auftaucht. Es wäre eine empfeh­lens­wer­te vertrau­ens­bil­den­de Massnah­me, wenn man sich zumin­dest auf überein­stim­men­de statis­ti­sche Werte bei den Ämtern des Bundes verlas­sen könnte. Der aktuel­le Umgang mit der komplett unter­schied­li­chen Anzahl Grippe­to­ten ist sehr unglück­lich sorgt leider auch nicht dafür, dass das Vertrau­en des Volkes in einen vertrau­ens­wür­di­gen Staats­ap­pa­rat geför­dert wird.

Wöchentlich aktualisierte Übersicht über die Todesfälle Schweiz von 2015 bis 2020 (PDF)

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