Neue FMH-Präsidentin Yvonne Gilli
«Im BAG fehlt es an ärztlicher Expertise»

In der Führung des Bundes­am­tes für Gesund­heit (BAG) fehlt es nach Ansicht der neuen Präsi­den­tin der Ärzte­ver­ei­ni­gung FMH, Yvonne Gilli, an ärztli­cher Exper­ti­se. Eine Pande­mie lasse sich aber nicht bekämp­fen, ohne die Kernbe­ru­fe an der Front einzubeziehen.

Fehlende Ärzte in der strategischen Führung des BAG

Gemäss Yvonne Gilli gehe es nicht darum, Ärzte als externe Berater zu engagie­ren, sondern als Perso­nen, die inner­halb der Struk­tu­ren veran­kert seien, sagte Gilli in einem Inter­view mit der «Sonntags­Zei­tung». Zwar gebe es im BAG einzel­ne Ärztin­nen und Ärzte in den Stabsstellen.

In der strate­gi­schen Führung des BAG fehle aber diese Berufs­grup­pe. “Ich glaube, das gibt es in keinem anderen europäi­schen Land. Für mich ist das eine der Ursachen für die aktuel­len Proble­me”, sagte Gilli, die ihr neues Amt im kommen­den Februar antritt.

Der Austausch zwischen der ärztli­chen Fachex­per­ti­se und den Entschei­dungs­trä­gern klappe zu wenig gut. Dies sehe man etwa daran, dass der Bundes­rat die Empfeh­lun­gen der Taskfor­ce oft ignoriere.

Gilli äusser­te sich auch zur laufen­den Impfkam­pa­gne. Sie unter­stüt­ze die Impfun­gen voll und ganz. Sie sei aber gegen einen Impfzwang. Das gelte auch für die Pflege­fach­per­so­nen. Es gehe nicht an, diese Berufs­grup­pe wegen der Impfun­gen unter Druck zu setzen.

Impfun­gen seien eine Vertrau­ens­sa­che. Ein Obliga­to­ri­um halte sie für kontra­pro­duk­tiv. Diese Linie entspre­che auch der offizi­el­len Haltung von Bund und Wissen­schaft zu den Covid-19-Impfun­gen. Im Übrigen sei sie sehr froh, dass es heute Impfstof­fe gebe, die die erwar­te­te Wirkung entfal­te­ten. Die Pande­mie sei unver­gleich­bar mit allem, was sie in ihrer langen Laufbahn erlebt habe.